Betreiber von Industrieventilatoren wünschen sich anbahnende Probleme proaktiv zu erkennen und zu beheben, anstatt zu reagieren, wenn es bereits zu spät ist. Bisher war dies i.d.R. nicht möglich, da keine historischen Daten zur Schwingung, Beschleunigung, Drehzahl oder Volumenstrom vorlagen, die dem Instandhaltungsteam halfen kritische Veränderungen zu erkennen und zu bewerten.
Oft kümmern sich auch externe Dienstleister oder die Ventilatoren-Hersteller um die Wartung und Instandhaltung von Industrieventilatoren. Aber auch Externe sind darauf angewiesen zuverlässige Daten zum Schwingverhalten einzusehen, um den Gesundheitsstatus der Ventilatoren zu beurteilen. Zurzeit geht dies nur vor Ort. Die Folge: Viele zeitaufwändige und kostspielige Service Einsätze.
Außerdem waren Condition Monitoring Lösungen bisher zu teuer, sodass Instandhalter darauf angewiesen waren mit mobilen Messgeräten regelmäßig zu testen, ob sich Lagerschäden bemerkbar machen. Diese regelmäßigen Messungen kosten den Anlagenbetreiber viel Zeit, insbesondere in abgelegenen Bereichen des eigenen Standorts. Im schlimmsten Fall werden Schäden, die zwischen den turnusmäßig durchgeführten Messungen auftreten, zu spät erkannt und es kommt zu Ausfällen mit hohen Folgekosten.
Wie funktioniert Condition Monitoring für Industrieventilatoren?
Moderne Cloud-Lösungen ermöglichen es heutzutage Anlagenbetreibern kostengünstig Industrieventilatoren 24/7 zu überwachen. Sensordaten werden dabei vor Ort von einem Feldcomputer gesammelt, analysiert und einmal pro Minute in die Cloud gesendet. Hier hat der Anwender einen einheitlichen Überblick und kann anhand von Trendanalysen kritische Veränderungen früh erkennen und reagieren, bevor es zu Ausfällen kommt.
Interne Instandhaltungsteams und externe Dienstleister können in Problemfällen automatisiert benachrichtigt werden, haben sofort Zugriff zu den gesammelten Sensordaten und können mit der Problemdiagnose beginnen. Dabei spielt die Erfahrung der Instandhaltungs- bzw. Service-Mitarbeiter nach wie vor eine große Rolle. Denn nur wenn der Normalzustand der Anlage bekannt ist, können Schwellwerte definiert werden, bei deren Überschreitung ein automatisierter Alarm versendet wird. An dieser Stelle kann der Experte aufgrund einer belastbaren Datenbasis entscheiden, ob der Ventilator sofort abgestellt werden muss oder bis zum nächsten geplanten Stillstand weiterlaufen kann.
Wie finde ich die richtigen Sensoren für‘s Condition Monitoring?
Heute gibt es eine große Anzahl von erschwinglichen Sensoren, aus denen man wählen kann, um gezielt aussagekräftige Daten zu sammeln. So können beispielsweise an einem Ventilator sowohl Schwingungssensorik als auch Drehzahlmesser angebracht werden, um beide Daten in Relation miteinander zu bringen und Informationen über die Gesundheit des industriellen Ventilators zu bekommen. Auch Temperatur und Luftfeuchte können wichtige Indikatoren sein und durch Sensorik gezielt gemessen werden.
IO-Link ist ein Sensorstandard, der dabei hilft, passende Sensoren für die eigene Condition Monitoring Lösung ohne großen Aufwand zu finden und zu integrieren. Betreiber von Ventilatoren können aus über 20.000 verschiedenen Sensoren wählen. Durch das simple Verbinden der Sensoren mit Condition Monitoring Systemen, die IO-Link unterstützen, ist jeder Sensor sofort einsatzbereit und sendet Daten, die einfach zu verstehen und zu verwerten sind. Dafür sorgt die IODD (Input Output Device Description), eine Art Ausweis des Sensors anhand dessen jedes System identifizieren kann welche Art von Daten ein jeweiliger Sensor sendet und welche Einstellungen auf dem Gerät vorgenommen werden können.
Beispielsweise kann ein System bei einem Temperatursensor direkt erkennen, dass die Einheiten in Grad Celcius ausgegeben werden und ordnet jedem Sensorwert einen Zeitstempel zu. Desweiteren kann der Anwender ohne Programmierkenntnisse die Parameter des Sensors einstellen, also z.B. die Einheit von Celsius auf Fahrenheit abändern.
Condition Monitoring als Grundlage für Preventive und Predictive Maintenance
Bereits heute werden Ventilatoren oft mittels Schwingungssensorik überwacht. Bei der Überschreitung eines Schwellwertes wird dann in der Regel ein lokaler Alarm ausgelöst, der dem Anlagenbediener oder Instandhalter signalisiert, dass etwas nicht stimmt. Diese Vorgehensweise kann dabei helfen z.B. Lagerschäden zu erkennen. Sie hilft allerdings nicht dabei diese Schäden vorherzusehen bzw. zu antizipieren. Nur wer über die Lebensdauer eines Ventilators konstant Daten sammelt, ist in der Lage anhand von Trends Verschleiße zu erkennen und sich anbahnende Schäden zu identifizieren. Die gesammelten Daten bieten dabei die Grundlage für die präventive und die prädiktive Instandhaltung der Ventilatoren.
Was sind die Vorteile von cloudbasierten Condition Monitoring Lösungen?
Cloud Software, auch als Software as a Service (SaaS) bekannt, zeichnet sich dadurch aus, dass das Programm nicht auf der Serverarchitektur beim Kunden vor Ort, sondern auf den Servern eines Cloud-Anbieters läuft. Dies bringt den Vorteil, dass sich der Kunde nicht um die Wartung und Instandhaltung der Server kümmern muss, und per Knopfdruck zusätzliche Rechenkapazität zur Verfügung steht. Das spart Kosten für teure Server und viel Zeit.
Oft wird noch angenommen, dass Daten, die beim Anlagenbetreiber gespeichert sind, sicherer vor Zugriffen von außen sind, als Daten, die auf einer Cloud liegen. Die Erfahrung der letzten Jahre hat allerdings gezeigt, dass insbesondere mittelständische Unternehmen immer wieder Opfer von Hackerangriffen werden, da sie nicht die notwendige Expertise haben ihre Server und IT-Infrastruktur nach den neusten Standards zu schützen. Cloud Anbieter wie AWS (Amazon) und Azure (Microsoft) investieren hingegen jährlich mehrere Hundert-Millionen Euro in die Sicherheit Ihrer Cloud-Lösungen und gelten somit als Experten auf diesem Feld.
Trotzdem sollte bei der Auswahl der Condition Monitoring Lösung unbedingt darauf geachtet werden, dass die Server des Cloudanbieters in der EU stehen, um sicher zu stellen, dass die gültigen Datenschutzgesetze befolgt werden.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass cloudbasierte Condition Monitoring Lösungen Fachkräfte bei Ihrer Arbeit unterstützen können, indem sie Anomalien früh erkennen und zeitraubende regelmäßige manuelle Messungen ersetzen. Zudem wird die Ausfallsicherheit erhöht und eine Datengrundlage geboten, die dabei hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
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